Produktionen 2011

Im stimmungsvollen Ambiente des Reichenauer Thalhof inszeniert Helga David Arthur Schnitzler und erstmals auch Karl Farkas. Die szenische Lesung "Goethe schtirbt" von Thomas Bernhard vervollkommnet das diesjährige Programm.

 

 

"Das Abschiedssouper", "Das süße Mädel" und "Denksteine",
drei Einakter von Arthur Schnitzler

In den Einaktern Schnitzlers verschwimmen die Grenzen zwischen Spiel und Wirklichkeit, zwischen Wahrheit und Lüge. Die halbbewusste Einsicht, dass man Unwiederbringliches haben will, schafft den Hintergrund einer mitschwingenden Melancholie, die mit der Selbstironie in einem reizvollen Spannungsverhältnis steht und dem Dichter die Möglichkeit gibt, seine Meisterschaft im Anschlagen subtiler Zwischentöne voll auszuspielen, für die er heute so berühmt ist.


"Das Abschiedssouper"

Der aus dem Jahr 1891 stammende Einakter ist neben dem im selben Jahr entstandenen Einakter „Weihnachsteinkäufe“ die beliebteste und am häufigsten aufgeführte Episode des „Anatolzyklus“. Anatol zeigt sich hier als der sensible, leichtsinnige Melancholiker, als Repräsentant einer untergehenden Epoche, als den er sich selbst erkennt.

Anatol will sich von einer seiner Geliebten lösen, doch seine Gefühle sind für ihn immer noch wirksam, er empfindet Mitleid mit der, die er verlassen will, und er fürchtet den Augenblick der endgültigen Trennung. Die überraschend turbulente Entwicklung führt aber schließlich dazu, dass Max am Ende des „Abschiedssouper“ zu Recht sagen kann: „Siehst du, es ist ganz leicht gegangen!“


"Das süße Mädel" (Skizze zu „Anatolzyklus“)

In den letzten Jahrzehnten des Bestehens der Monarchie hatte sich wie in der Vorahnung kommender Katastrophen eine allgemeine Mentalität des unbeschwerten Lebensgenusses entwickelt, die nicht nur auf die gesellschaftliche Schicht der Oberschicht, der „Mondänen“ beschränkt war. Die vornehmen Männer, die Offiziere entdeckten, dass auch in den Vorstädten junge, bezaubernde Mädchen heranwuchsen, die auch ihr „kleines Glück“ genießen wollten, wohl wissend, dass es nur von kurzer Dauer war, denn nur äußerst selten gelang es ihnen, die Schranken der Gesellschaft zu überwinden und einen Mann für immer an sich zu fesseln. Da diese Mädchen nicht nur hübsch sondern oft von natürlicher Anmut und einer schlummernden Intelligenz waren, übten sie einen Zauber aus, der oft zu leidenschaftlicher Liebe führen konnte.


"Denksteine"

Dies ist einer der selten gespielten Einakter des Zyklus „Anatol“, der Schnitzlers Stellung als Autor begründet hat. Im Jahr 1890 entstanden, also zwischen den Stücken „Die Frage an das Schicksal“ und „Agonie“ sind die „Denksteine“ in mancher Hinsicht untypisch.

Der Anlage nach ist diese Episode die einzige ohne die kommentierende Gestalt des Freundes Max. Auch wird Anatol nicht als leichtsinniger Melancholiker gezeigt, sondern von seiner aggressiven Seite, denn: die „Denksteine“ sind Geschenke früherer Liebhaber und als solche Anlässe zu leidenschaftlichen Eifersuchtsausbrüchen Anatols.



Premiere: Donnerstag, 21. Juli 2011, 19.30 Uhr

Folgevorstellungen:
22. - 24. und 28. - 31. Juli,
11. - 13., 18. - 21. und 26. - 28. August jeweils um 19.30 Uhr

Nachmittagsvorstellungen:
Samstag 23. und 30. Juli sowie 13., 20. und 27. August jeweils um 15.00 Uhr
Sonntag 24. und 31. Juli sowie 21. und 28. August jeweils um 15.00 Uhr

Sonntagsvorstellungen nun ausschließlich um 15.00 Uhr!

Am 28. August 11.00 Uhr geschlossene Vorstellung!

 

Besetzung:

Sophie Aujesky als Annie
Sandra Knoll als Fritzi
Katrine Eichberger als Emilie

Christian Kainradl als Anatol
Christian Nisslmüller als Max

Biographien

 

 

"Die Doppelconférencen"
Der Gscheite und der Blöde - Karl Farkas & Hugo Wiener

In Erinnerung an Karl Farkas, der ganz in der Nähe von Reichenau sein Wochenend- und Sommerdomizil hatte, wagt es ein junges Team, die berühmten Doppelconférencen zu erarbeiten.


Wenn ein Spaziergänger vor etlichen Jahren in der Gegend um Reichenau einem stets mit sorgfältiger Eleganz gekleidetem Herren begegnete, der mit ruhigem Ernst seiner kleinen Villa in Edlach zustrebte, wäre er kaum auf den Gedanken gekommen, dass er den brillanten Virtuosen des Wiener Kabaretts Karl Farkas vor sich hatte. Seinen Witz zeichnete eine unverwechselbare individuelle Färbung aus, vor allem in den so berühmt gewordenen Doppelconferencen kam er vollends zur Geltung.

Nicht minder bedeutend waren seine jeweiligen Partner Grünbaum, Karl Böhm, Fritz Muliar und vor allem der kongeniale Ernst Waldbrunn.

Was aber ist eine „Doppelconference“? Karl Farkas hat sein Publikum in einer kabarettreifen „Definition“ belehrt: „Man nehme einen äußerst intelligenten und gutaussehenden Mann - das bin ich - und lasse ihn ein paar einführende Worte sagen.
Jetzt ist es soweit, jetzt kommt der zweite - also der „Blöde“ dazu und zwar mit dem dümmsten Satz, der einem Autor einfallen kann…“



Premiere: Donnerstag, 4. August 2011, 19.30 Uhr

Folgevorstellungen:
5., 6. und 25. August jeweils um 19.30 Uhr

Nachmittagsvorstellung:
Samstag 6. August um 15.00 Uhr

 

Besetzung:

Christian Kainradl als Berger
Christian Nisslmüller als Schöberl

Biographien

 

 

"Goethe schtirbt"
Szenische Lesung von Thomas Bernhard mit Wolfram Berger

Anfang 1985, vier Jahre vor seinem Tod, trifft Bernhard den Verleger Siegfried Unseld in Wien und erzählt ihm, dass er gerne einen Sammelband von 5 Erzählungen unter dem Titel „Goethe schtirbt“, neben der Titelerzählung die Stücke „Montaigne“, „Wiedersehen“ und „In Flammen aufgegangen“ veröffentlicht hätte. Der fünfte Beitrag ist nicht mehr zustande gekommen. Auf den ersten Blick wird man vergeblich nach einem geistigen Band suchen, das alle Erzählungen umschließt, außer, dass sie Stilmittel, Sprachstrukturen und syntaktische Grundmuster aufweisen, die dem Bernhardkenner von seinen früheren Werken her vertraut sind.


"Goethe schtirbt"

In der fiktiven Erzählung „Goethe schtirbt“ führt sich Bernhard als beobachtender Zeitgenosse ein. Der sterbende Goethe ist fasziniert durch das Gedankengebäude Wittgensteins, der zum Zeitpunkt von Goethes Tod noch nicht geboren war. Er glaubt an dessen „tractatus philosophicus“ und meint darin eine Weiterentwicklung seines eigenen Denkens zu erkennen und will Wittgenstein nach Weimar holen. Ein größerer Unterschied als der zwischen Wittgensteins Denken und Goethes Weltsicht, „der beobachtende Blick, der so still und rein auf den Dingen ruht“ (Schiller in seinem berühmten Brief an Goethe von 1794) ist kaum vorstellbar.


"Montaigne"

Gleich im ersten Satz greift Bernhard das Thema „Flucht“ auf, der wir in der vierten Erzählung in gewandelter Form wieder begegnen. Hier ist es die Flucht vor der Familie-also vor seinen „Peinigern“, die ihn beschuldigen, die einzige Ursache ihres Unglücks zu sein. Er habe es nur darauf abgesehen, sie zu verhöhnen, zu zersetzen und zu zerstören. „Nicht ich sei der Kranke und also der Schwache sagten sie, sondern sie seien die Kranken und Geschwächten, die von mir Beherrschten“.


"Wiedersehen"

ist ein Spiel der Erinnerungen. Das selbstverständliche Einverständnis der beiden Jugendfreunde, das zunächst in der Erinnerung Gestalt gewinnt, ist freilich nur während der schweigsamen, gemeinsamen Wanderungen wirksam, denn der Keim künftiger divergierender Entwicklungen ist von Anfang an erkennbar und im weitesten Sinn als bestimmend für die ganze Entwicklung erkannt.

Entscheidend für den eigenen Weg ist der Entschluss des Erzählers Bernhard, aus dem „Kerker Familie“ auszubrechen, rücksichtslos, ohne irgendeine sentimentale Bindung zu akzeptieren. Der andere, dem er nach zwanzig Jahren wieder begegnet ist, erinnert sich an nichts mehr - er hat gewissermaßen einen Teil seines Ich gelöscht.



Premiere: Sonntag, 7. August 2011, 15.00 Uhr

Folgevorstellungen:
14. August, 11.00 Uhr und 15.00 Uhr

 

 

 

Lesungen

Zusätzlich erlauben wir uns, auf folgende Lesungen hinzuweisen:


„Duineser Elegien“
von Rainer Maria Rilke,
gelesen von Hannes Gastinger
am 14. August, 19.30 Uhr


„Der unsterbliche Österreicher“
von Anton Kuh,
gelesen von Stephan Paryla
am 21. August, 11.00 Uhr

 

Biographien

 

 

 

Leitung

Regie: Helga David
Kostüm: Gerda Nuspel
Licht: Andreas Hannig
Bühne: Lukas Schöffel
Dramaturgie: Lena Pagel

 

 

Alle Veranstaltungen finden im Ballsaal des Thalhofes in Reichenau statt.

Genaue Anschrift: Kuranstalt Thalhof, Thalhofstraße 23, 2651 Reichenau/Rax

 

 

Kartenvorverkauf:

Ab 14. März jeweils Montag, Mittwoch und Freitag von 16.00 Uhr bis 18.30 Uhr
und Samstag von 13.00 Uhr bis 18.30 Uhr

unter 0664 - 3788725

 

EMail Kartenbestellungen unter karten@schnitzlerimthalhof.at

 

Abendkassa:

Thalhof in Reichenau jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn.

 

 

Pressekarten bei Dr. Anita Prammer unter 0699 - 11321748

 

 

 

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